
Offener Brief von Menschen in den USA an Menschen in der ganzen Welt
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Die Zeiten sind besorgniserregend. Die Kriegstrommeln werden immer lauter, die US-Regierung hält an der Notwendigkeit des „Präventivschlags" fest. In den Vereinigten Staaten gibt es eine große Zahl von Menschen, die damit nicht einverstanden sind. Wir möchten gerne unsere Hände allen Menschen in dieser Welt entgegenstrecken, um mit ihnen zusammen für Frieden, Gerechtigkeit, ökonomisches Wohlergehen und eine gesunde Umwelt einzutreten. Die US-Regierung benimmt sich bedauerlicherweise wie ein globaler Tyrann. Dabei alarmiert uns besonders ihre Kriegsdrohung und - sollte sie wahr werden - die Zerstörung, die dann die Kinder trifft, die lange genug schon unter den Kämpfen ihrer Väter gelitten haben. Die Gefahr terroristischer Anschläge wächst. Unser Ziel ist die friedliche Lösung von Konflikten. Wir möchten internationale Institutionen bestärken, dieses Ziel mit zu verfolgen. Die Vereinigten Staaten untergraben - entgegen ihrer eigenen Tradition - die Regeln der internationalen Gesetze; sie versuchen andere Länder als auch die Vereinten Nationen ihrem Willen zu unterwerfen, indem sie mit einem Angriffskrieg drohen. Wir waren fassungslos darüber, wie schnell und tief greifend bei uns die zivilen Rechte im Namen des „Krieges gegen den Terrorismus" unterhöhlt wurden. US-Bürgern und Einwanderern werden die elementarsten Rechte entzogen. Wir wollen uns diesem Trend entschieden widersetzen. Hunderttausende, junge und alte Menschen, haben dagegen demonstriert, sogar solche, die bisher noch nie auf die Straße gegangen waren. Lokale Regierungen erlassen Gesetze, die auffordern, diese illegalen Methoden, mit denen Einwanderer wie auch US-Bürger verhaftet oder ausspioniert werden, nicht zu billigen. Wir wissen, dass wir etwas tun müssen. Der immense Konsum an Erdöl in den USA führt sowohl zum Klimawandel als auch zur Kriegsgefahr. Während die US-Regierung Maßnahmen zur Verminderung der Emissionen von Kohlendioxid verweigert, hat Kalifornien Standards erlassen, die uns in dieser Sache voranbringen. Wir müssen die USA von ihrer gefährlichsten Abhängigkeit abbringen - dem Verbrauch riesiger Mengen an Erdöl. Es gibt auch Probleme, die wir zusammen lösen müssen, speziell das hartnäckige und schwierige Problem der Massenvernichtungswaffen. Wir sind uns schmerzlich bewusst, dass ein Großteil der restlichen Welt den lauten Schrei der USA nach Krieg mit dem Irak als Heuchelei betrachtet, da die USA selbst nicht bereit ist, ihre Nuklearwaffen abzurüsten und die vertraglichen Verpflichtungen umzusetzen, wonach das Arsenal an Nuklearwaffen zu verringern ist. Die USA haben 1945 zwei Städte durch Atombomben vernichtet; die einzige Regierung, die so etwas jemals getan hat. Osama bin Laden hat mehr als einmal diese Tatsache dazu benutzt, um seine eigenen gewalttätigen Vergehen an Unschuldigen zu begründen. Es gibt keine guten oder frommen Hände, die diese schrecklichen, illegalen und unmoralischen Waffen benutzen könnten. Sie dürfen niemals wieder von irgendjemandem benutzt werden. Acht Länder besitzen Nuklearwaffen - die USA, Russland, Großbritannien, Frankreich, China, Israel, Indien und Pakistan - und zwei weitere haben den Atomwaffensperrvertrag gebrochen, Nordkorea und der Irak. Die Unrechtmäßigkeit der Waffen der Großmächte legitimiert keinesfalls die Waffen Nordkoreas und des Iraks. Wir müssen diese Ära der Massenvernichtungswaffen auf der ganzen Welt beenden. Die Zeiten müssen enden, in denen Regierungen den Gebrauch von Waffen rechtfertigen können, indem sie das Leben von Kindern jedweder Nationalität gegen das Leben von Soldaten im Krieg ausspielen. Es ist Zeit, alle nuklearen Waffen und Materialien unter nachprüfbare internationale Kontrolle zu stellen. Es ist Zeit, international bestehende Verträge, die chemischen und biologischen Waffen verbieten, zu festigen und die Genehmigung für Inspektionen allerorts freizugeben. In diesem Geiste unterstützen wir die UN-Inspektionen im Irak. Wir billigen keinen von den USA angeführten Krieg gegen den Irak, auch dann nicht, wenn die Waffeninspektionen missglücken sollten. Zum einen, weil zur gleichen Zeit die USA auf das Vorrecht der Nuklearwaffennutzung beharren und zum anderen, weil die USA über die Waffeninspektionen hinausgehende Kriegsmotive haben. Es ist viel sinnvoller, die UN-basierte Struktur mit ausreichend Autorität und technischen Fähigkeiten zu versehen, um die nachweisbare Beschlagnahme aller Nuklearwaffen und zu ihrer Herstellung notwendigen Materialien möglich zu machen. Ein ähnliches Vorgehen könnte man hinsichtlich anderer Massenvernichtungswaffen beschreiten. Personen, die gegen Menschenrechte verstoßen haben, wie jene vom 11. September, sollten inhaftiert werden. Jedes Land, das den Anspruch erhebt, in Friedensmaßnahmen oder der Entwaffnung anderer führend zu sein, muss sich selbst der Prüfung durch den Internationalen Gerichtshofs und den Internationalen Strafgerichtshof unterziehen. Einige der mächtigsten Länder qualifizieren sich derzeit nicht dafür. Kein Land sollte sich über die Gesetze hinwegsetzen, auch nicht die USA. Auf dem Nürnberger Tribunal der Nationalsozialisten versprachen US-Juristen der Welt den Sieg der Gerechtigkeit, und garantierten, dass alle Menschenrechtsvergehen geahndet würden. Indem sich die Vereinigten Staaten von der allgemeinen Rechtsprechung des Internationalen Gerichtshofs zurückziehen und den Internationalen Strafgerichtshofs unterminieren, haben sie dieses Versprechen gebrochen. Wir wollen, dass diese Versprechen eingelöst werden. Wir werden nicht zulassen, dass uns die kurzsichtige Militär- und Energiepolitik der USA von der Verbundenheit von den Menschen in der restlichen Welt trennt. Wir schrieben diesen Aufruf, um kundzutun, dass wir uns mit all jenen in der Welt solidarisieren, unabhängig von ihrer Nationalität, die gewaltlos für Frieden und Gerechtigkeit eintreten und die gegen die schreckliche Gewalt kämpfen, die die Welt einhüllt und uns alle bedroht. Wir glauben dass wir zusammen arbeiten müssen, um das 21. Jahrhundert zu einem zu gestalten, in dem die Prinzipien von Mahatma Gandhi und Rev. Martin Luther King, Jr. über Hass, Habgier und Gewalt triumphieren. Selbst als er den Kampf Indiens für nationale Unabhängigkeit führte und glaubte, Indien hätte der Welt viel zu bieten, sagte Gandhi: „Mein Patriotismus ist keine exklusive Sache. Ich lehne Patriotismus ab, der zu Armut und Ausbeutung anderer Nationen führt." In diesem Geiste reichen wir Euch unsere Hände.
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Institute for Energy and Environmental ResearchUpdated February 19, 2003